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Ich denke an Jael …

11. Oktober 2016

Abschied nehmen ist schwer.

Aber wie schwer ist es,

wenn man keinen Abschied nehmen kann?

Am Tag, bevor ich mich zu den Spooky Days, unserem Stempel-Event in Rückersbach aufmachen wollte, traf mich eine Nachricht wie ein Schlag: Mein Teammitglied, meine Stempel-Tochter Jael, ist plötzlich gestorben. Ungläubig starrte ich auf die Email, ich wurde vorher schon per Telefon informiert. Gehemmt von der Nachricht konnte ich kaum die restlichen wichtigen Dinge erledigen.

Meine Gedanken überschlugen sich und schnell stand fest: Ich wollte Abschied nehmen.  Der Abschied von Jael in  ihrer Gemeinde/Gemeinschaft lag ungünstig, aber doch günstig. Samstags sollte die Andacht sein, da war aber das Event. Und doch war ich sofort  sicher: Die Frauen verzeihen es mir, wenn ich den Samstag passe, um von Jael  Abschied zu nehmen. Denn von Rückersbach aus, war eine Fahrt nur drei Stunden.

Ich informierte ihre Familie, dass ich mich auf den Weg machen würde und ich wurde herzlich empfangen.

Welch Schmerz, welche Trauer!

Doch die passenden Worte und die würdige Andacht spendeten nicht nur mir Trost sondern auch den mehr als 200 Leuten, die sich versammelt hatten um inne zu halten. Ruhe und Stille legte sich wie ein wärmender Mantel um mich, und die Frage der Gerechtigkeit dröhnte nicht mehr so laut im Schädel. Das Warum wurde nicht geklärt, aber die Frage des Warum ist jetzt nicht mehr wichtig.

Denn ich durfte Abschied nehmen, inne halten und das tat  gut. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Ich bin dankbar für die Zeit, die ich in dieser tollen Gemeinschaft verbringen durfte.

Nach der dreistündigen Rückfahrt traf ich wieder auf die 72 Frauen, die das Wochenende geniessen wollten. Sie lächelten mich an und fragten mich, ob ich mich Ok fühlte. Ja, ich fühlte mich gut.

Geborgen. Leicht. Erleichtert. Ich finde nicht das passende Wort, aber ihr wisst sicher, was ich meine.

Denn auf der Rückfahrt dachte ich über meine Liebsten nach, von denen ich schon Abschied nehmen mußte. Schöne Erinnerungen konnte ich aufrufen und  ich habe oft geschmunzelt. Und einige Erinnerungen galten Jael. Als Jael schwanger war, fragte sie mich, ob sie ihren Jüngsten Mika nennen könnten, so wie unseren Sohn.

10 Comments

  1. Bettina Poller

    11. Oktober 2016 at 20:32

    Liebe Jenni.
    Du hast schöne Worte für die schreckliche Situation gefunden.
    Sie wird in unseren Herzen bleiben.
    Alles Liebe
    Bettina

  2. Lisa F.

    11. Oktober 2016 at 20:33

    Das ist sehr traurig 🙁 Ich kann deine Worte sehr gut nachvollziehen.
    Meine liebe Arbeitskollegin ist dieses Jahr auch ganz plötzlich im Alter von nur 39 Jahren verstorben…
    Ich wünsche ganz viel Kraft für die Familie 🙁

  3. Melanie

    11. Oktober 2016 at 20:46

    Liebe Jenni,
    die Nachricht von Jaels Tod hat mich total umgehauen.
    Letztes Jahr hatte ich den kleinen Mika auf dem Arm und wir haben uns über das große Glück unterhalten, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.
    In diesem Moment war ich für kurze Zeit tatsächlich froh, dass ich (leider) meine Teilnahme am Event absagen musste. Ich hätte diese widerstreitenden Gefühle zur Zeit wohl kaum aushalten können, obwohl ich genau wie Nadine fest davon überzeugt bin, dass dieser Lausbub in Mädchenklamotten es nicht gewollt hätte, wenn alle Trübsal blasen.
    Auf den Fotos von Nadine sieht man schon, wie es Euch mitgenommen hat und dann auch noch zusätzlich diese weite Fahrt, da ziehe ich mehr als einen Hut vor dir. Ich denke an Bianca und an Nadine und die Tatsache, dass es doch manchmal stimmt, dass ein Team auch eine Familie sein kann, die einem Rückhalt gibt. In diesem Sinne war es für alle Teilnehmerinnen wohl auch eine Form von Gedenkfeier, an diesem Wochenende zusammen zu sein.

  4. Jeanette Egemann

    11. Oktober 2016 at 21:21

    Ich hab es erst am Sonntag erfahren und bin sprachlos. Es tut mir unendlich leid – besonders für ihre Kinder.

    Ich finde es großartig, dass Du da warst, um Dich zu verabschieden.

    Liebe Grüße, Jeanette

  5. Steffi

    11. Oktober 2016 at 21:42

    Liebe Jenny, dein Text ist wunderbar geschrieben – du hast die treffenden Worte gefunden. Hut ab vor dem was du geleistet hast – das war mit Sicherheit nicht immer einfach. Schön, dass du zur Trauerfeier gefahren bist und uns in Gedanken mitgenommen hast. Ich denke Jael war das ganze Wochenende bei sehr vielen in den Gedanken. Danke für alles.
    Steffi

  6. Anja Schreiter

    11. Oktober 2016 at 22:29

    Ich fühle so mit dir und mit Jael´s Familie, obwohl ich sie nie kennenlernen konnte. Mir fehlen die Worte…
    Aber es läßt uns innehalten und bewußt werden, wie viel Glück man hat, wenn alle gesund sind.
    Schön, dass du Jael diesen Post gewidmet hast.
    Anja

  7. Babs

    11. Oktober 2016 at 22:34

    Liebe Jenni,
    das hast Du so schön geschrieben da kommen einem glatt (schon wieder) die Tränen. Obwohl ich nur etwa eine Stunde von Jael entfernt wohne habe ich sie gar nicht gekannt. Bzw. musste ich bis zu einem Deiner Treffen warten um Sie persönlich zu treffen. Allerdings war das ein eher merkwürdiges Erlebnis, dass mir im Nachhinein fast schon leid tut, mir aber, wenn ich an sie denke, immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
    Die Gute kam nämlich wie eine Wilde auf mein Auto zugestürmt, hat die Tür aufgerissen und mich gefragt wem das Auto gehört. Damit hat sie mir den Schreck meines Lebens verpasst und ich muss wohl auch ein dementsprechendes Gesicht gemacht haben. Zuerst wusste ich gar nicht was sie meinte und wollte, ich dachte sogar ich hätte irgendwas verbrochen, bis sie gesagt hat wo sie herkommt. Jael hat sich einfach nur wie Bolle gefreut jemand aus der Heimat bei Dir zu treffen. 🙂
    Mit Sicherheit werde ich am Samstag beim Anblick vom Parkplatz still und leise vor mich hinschmunzeln und an Jael denken.
    Bis dahin fühl Dich ganz fest gedrückt.
    LG Babs

  8. Sabine L.

    12. Oktober 2016 at 08:10

    Liebe Jenni,
    ich war auch traurig, dass ich dieses Mal eurem Aufruf zum Stempelcamp wegen anderer Termine nicht folgen konnte…
    Am Donnerstag war ich dann froh darüber, konnte ich doch so auch die Trauerfeier besuchen und
    gemeinsam mit vielen anderen Bekannten/Freunden und Familie von Jael Abschied nehmen.
    Trotzdem ist es immer noch unwirklich, ich kann es immer noch nicht glauben…

    In solchen Momenten wird einem bewusst, was wirklich wichtig ist im Leben…
    nur leider vergißt man das wieder viel zu schnell und man steckt im Hamsterrad drin und vergißt, dass morgen schon alles anders sein kann…

  9. Sabine Pelt

    12. Oktober 2016 at 08:35

    Liebe Jenni,

    mit Tränen in den Auge habe ich deinen Bericht gelesen. Du hast schöne und mitfühlende Worte gefunden , die der Familie von Jael bestimmt ein Trost sein werden.
    Der Tod eines lieben Menschen ist nicht zu verstehen, Darauf kommt es auch nicht an. Wichtig sind die Erinnerungen, denn die bleiben für immer. Wenn wir an unsere Lieben denken und uns von ihnen erzählen, beliben die Erinnerungen lebendig. Das Loslasen fällt schwer, dass festhalten der Erinnerung macht es ein wenig leichter und ist der schönste Trost für die Familie.

    Fühl dich umarmt.
    Liebe Grüße Sabine

  10. Rena

    12. Oktober 2016 at 11:08

    Jenni, da ich eine stille Leserin bin, aber einen großen Anteil an „all“ deinen Aktivitäten habe, möchte ich dir heute einen innigen Gruß senden, du hast einen wunderbaren Inhalt geschrieben der in jeder Zeile sagt was du empfindest-Anschied ist immer ein schwerer Weg ich wünsche jedem der uns verlässt, ein gesegnetes Ankommen in die Ewigkeit-was dir bleibt,Jenni, ist die Liebe – und immer diese Brücke zwischen dir und deiner Freundin – das ist das ewig Bleibende – der einzige Sinn. Alles hat seine Zeit durch lebe sie – sei froh das du diesen Menschen kennen lernen dürftest.
    Alles Liebe*rena*

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